Die Arbeitsgemeinschaft Bergen-Belsen bietet jedes Jahr eine Studienfahrt zu Gedenkorten der NS-Zeit an.
Der erste Programmpunkt unserer Erfurt-Reise führte an den "Erinnerungsort Topf & Söhne“, die „Ofenbauer von Auschwitz“.
An diesem Ort wurden die Verbrennungsöfen für die Krematorien und die Lüftungstechnik für die Gaskammern von Auschwitz entwickelt und produziert.
Die Dauerausstellung war wegen Umbaumaßnahmen geschlossen. Stattdessen wurden wir sehr eindrucksvoll durch die Außenausstellung "Mitten in der Gesellschaft" mit dem Modell der Fabrikgebäude geführt.
Am zweiten Tag fuhren wir zur Gedenkstätte KZ Dora-Mittelbau bei Nordhausen, das 1943 zunächst ein Außenlager von Buchenwald entstand. Ab 1944 wurde die Rüstungsproduktion wegen der zunehmenden Bombardierungen unter die Erde verlegt. Im Harz gab es schon Tunnel, die als Treibstofflager gebaut wurden. Hier wurde die V2 Rakete – die sog. "Wunderwaffe" - gebaut. Außer dem Werk bei Nordhausen gab es noch zahlreiche Außenlager, die Teile für die Rüstung (z. B. Junkers) zulieferten.
Überall wurden Zwangsarbeiter und Häftlinge für die Produktion von V2-Raketen und V1-Flugbomben eingesetzt. Die Unterkünfte der Häftlinge waren auch in den Stollen, so dass sie dauerhaft der Kälte von 8 Grad ausgesetzt waren und schnell krank wurden. Man rechnete mit einer Überlebensdauer von 3 Monaten. Nicht mehr arbeitsfähige Männer wurden in das KZ Bergen-Belsen gebracht. Auch die letzten Evakuierungstransporte gingen dorthin.
Tausende starben an Erschöpfung, Krankheiten, Misshandlungen oder wurden ermordet. Nach der Befreiung durch US-Truppen im April 1945 wurde das Gelände später zur Gedenkstätte.
Am letzten Tag stand Erfurts jüdische Erbe auf dem Programm. In der Erfurter Altstadt gibt es die ältesten Zeugnisse jüdischer Kultur Mitteleuropas zu sehen.
Die Alte Synagoge gehört zu den ältesten und am besten erhaltenen Synagogen des europäischen Mittelalters. Heute beherbergt es ein außergewöhnliches Museum: den jüdischen Schatz von 1349, den ein wohlhabender jüdischer Kaufmann während eines Pogroms versteckt hatte und den man 1998 entdeckt hat.
Mikwe: 2007 wurde die mittelalterliche Mikwe wieder entdeckt. Das jüdische Ritualbad liegt unmittelbar an der Gera. Ein vollständiges Untertauchen darin führte zu ritueller Reinheit.
Ein ausführlicher Reisebericht folgt.
Fotos: Dirk Addicks
Hier Bilder von der Studienfahrt 2024 nach Lodz (Litzmannstadt) Polen. 23. - 28.09.2024
Lodz wurde 1940 von den Nazis in Litzmannstadt umbenannt. Der Stadtrundgang hatte das Thema „Das jüdische Lodz“. In der Stadt lebten 20.000 Juden. Das Ghetto, das die deutschen Besatzer einrichteten, nahm ein Drittel der Stadt ein. Im Norden lag der große jüdische Friedhof.
Das ehemaliges „Ghetto Litzmannstadt“ lag mitten in der Stadt und nahm etwa ein Drittel der Stadt ein.
Vom Bahnhof „Radegast (5) wurden die Menschen in den Tod in die vielen Vernichtungsorte geschickt. Es ist heute ein Gedenkort.
Kurzer Filmbeitrag über einen jungen Mann, der sich zum Kameramann ausbilden lässt:
arte.tv/de/videos/088539-000-A/lodz-das-filmmekka-polens/
Studienfahrt 2024 nach Lodz und Kulmhof
Studienfahrt 2023 nach Esterwegen, Westerbork u. a.